Ofra wäscht ihre Kleider
In meiner Tränen Flut,
Ofra trocknet die Kleider
An ihres Auges Glut.
Ofra braucht keine Bronnen
Bei meines Auges Quell,
Ofra braucht keine Sonnen,
Denn ihr Auge ist hell.
Ich wiegt’ auf dem Schoße
Den Liebsten so schön,
Da sah er sein Bildchen
Im Auge mir stehn.
Der Schelm! Sieh, da küßt’ er
Mein Auge so wild:
Mein Auge nicht küßt’ er,
Er küßte sein Bild.
Das Mädchen spricht:
Was drängt ihr mich also,
Ihr Frager, ihr flinken,
Im Meere der Liebe
Da sollt’ ich versinken.
Da trat seine Sohle
Zum donnernden Strande: –
Da ging ich im Meere,
Als ging ich im Lande.
Der Knabe spricht:
Im Garten der Schönheit
Erwarbst du ein Land,
Das grenzenlos reicht
Bis zum ewigen Strand.
Und wolltest die Sterne
Zum Schmucke du han,
Sie sprängen dir gerne
Von himmlischer Bahn.
Wie die Sonne über Sphären schreitet,
Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut:
Deine Augen wilde Pfeile schießen,
Männerherzen Ströme Blutes fließen:
Mädchen, deine Pfeile treffen gut.
Wilde Blumen stehn in deinem Garten,
Rote Blumen, die das Pflücken wert:
Doch du stelltest zu des Gartens Schutze,
An die Pforte stelltest du zum Trutze
Hin das zuckende, das Flammenschwert.
Zeigte Liebchen mir die Wangen,
– Mitternächt’ge Stunde war’s –:
Um die zarten Schläfen hangen
Tief die Schleier ihres Haars.
Von Rubinen hell umgossen
Ihre frohe Wange war,
Und vom klarsten Licht umflossen
Schien die dunkle Locke gar.
Wie die Sonne, wenn im holden
Morgenstrahl die Flamme loht: –
Dunkle Wolken werden golden,
Dunkle Wolken werden rot.
Liebe Sänger, singt den Trauten
Holde Lieder zu den Lauten
In dem schönsten Wechselsang!
Singet den verhüllten Blicken,
Die verstohlen schaun und nicken
Durch des Fensters Seidenhang.
Sie, die Keuschen hinter Gittern,
Die da lernten von den Müttern
Rein zu halten Herz und Leib;
Und die doch mit Pfeilen spielen,
Kindlich mit dem Bogen zielen
Ahnungslosen Zeitvertreib.
Weh, geschossen und getroffen!
Klaffend steht die Wunde offen:
Ach, sie ahnten keinen Harm;
Sie, die nie an Schwerter rührten
Und als einz’ge Waffe führten
Ihren Alabasterarm.
Sie, die Schwachen, Müden, Süßen,
Die das Kettlein an den Füßen,
Allzu schwer das Ringlein drückt;
Deren Auge bei den Lasten
Ihrer seidnen Wimperquasten
Kaum ein stiller Aufschlag glückt.
Aber wenn es einmal blicken
Und empor zur Sonne schicken
Seine heißen Flammen wollt’,
Schwarz verbrennen in der Ferne
Würd’ an diesem Feuersterne
All der Sonne rotes Gold.
„Werde Licht!“ so spricht die Wange,
„Werde Nacht!“ die Lockenschlange
Dieser holdgeliebten Schar.
Ihre weißen Kleider hüllet
Licht der Liebe, Nacht erfüllet,
Leidesnacht ihr dunkles Haar.
O ihr Leuchten meines Lebens,
Ist mein Herz nicht eures Schwebens
Firmamentisch Himmelszelt?
Rollt ihr nicht in ew’gen Gleisen
Und in immer neuen Kreisen
Durch dies Herze, diese Welt?
Ach, ihr zarten, freudereichen,
Traubenschwerem Weine gleichen,
Wie er Zweig und Wurzel trägt!
Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten,
Wie ihr eure doppelt roten
Polster um die Perlen legt!
Zürne, Herze, nicht den Kecken,
Wenn gar ihres Auges Necken
Falsch aus falschem Fenster schaut:
Diese Aepfel, wie sie hangen,
Diese Lilien auf den Wangen
Sind ein süßes Heilekraut.
Sieh den Wuchs gleich einer Palme,
Der gleich windbewegtem Halme
Lieblich seine Hüften wiegt!
Jedes Herze, mußt du wissen,
Kaum gefangen, schon zerrissen
Blutend ihr zu Füßen liegt.
Soll man sie nun schuldig sprechen,
Da sie nur, um sich zu rächen,
Gegen unsre Herzen gehn?
Für die Blumen, die wir Frechen
Täglich von den Beeten brechen,
Die in Wangenblüte stehn?
Auf, zum Richter will ich schreiten:
Seine Schwingen, seine weiten,
Sind der Weisheit Schutz und Hort.
Er, der über Tod und Leben
Richtet, soll die Antwort geben:
Still, er kündet Gottes Wort! – –
– – – –
Was geht noch auf die Sonne,
Was leuchtet sie uns noch?
Der Mädchen Allerschönste
Verdunkelte sie doch.
Magst, Sonne, du erröten
Vor ihrem holden Glanz,
Mag aus den Bahnen treten
Der Sterne lichter Kranz!
Was braucht die süße Taube
Noch eure hohe Welt? –
Sie macht die Myrtenlaube
Sich selbst zum Himmelszelt.