III. Liebe

Ofra wäscht ihre Kleider

In meiner Tränen Flut,

Ofra trocknet die Kleider

An ihres Auges Glut.

Ofra braucht keine Bronnen

Bei meines Auges Quell,

Ofra braucht keine Sonnen,

Denn ihr Auge ist hell.

Ich wiegt’ auf dem Schoße

Den Liebsten so schön,

Da sah er sein Bildchen

Im Auge mir stehn.

Der Schelm! Sieh, da küßt’ er

Mein Auge so wild:

Mein Auge nicht küßt’ er,

Er küßte sein Bild.

Das Mädchen spricht:

Was drängt ihr mich also,

Ihr Frager, ihr flinken,

Im Meere der Liebe

Da sollt’ ich versinken.

Da trat seine Sohle

Zum donnernden Strande: –

Da ging ich im Meere,

Als ging ich im Lande.

Der Knabe spricht:

Im Garten der Schönheit

Erwarbst du ein Land,

Das grenzenlos reicht

Bis zum ewigen Strand.

Und wolltest die Sterne

Zum Schmucke du han,

Sie sprängen dir gerne

Von himmlischer Bahn.

Wie die Sonne über Sphären schreitet,

Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut:

Deine Augen wilde Pfeile schießen,

Männerherzen Ströme Blutes fließen:

Mädchen, deine Pfeile treffen gut.

Wilde Blumen stehn in deinem Garten,

Rote Blumen, die das Pflücken wert:

Doch du stelltest zu des Gartens Schutze,

An die Pforte stelltest du zum Trutze

Hin das zuckende, das Flammenschwert.

Zeigte Liebchen mir die Wangen,

– Mitternächt’ge Stunde war’s –:

Um die zarten Schläfen hangen

Tief die Schleier ihres Haars.

Von Rubinen hell umgossen

Ihre frohe Wange war,

Und vom klarsten Licht umflossen

Schien die dunkle Locke gar.

Wie die Sonne, wenn im holden

Morgenstrahl die Flamme loht: –

Dunkle Wolken werden golden,

Dunkle Wolken werden rot.

Liebe Sänger, singt den Trauten

Holde Lieder zu den Lauten

In dem schönsten Wechselsang!

Singet den verhüllten Blicken,

Die verstohlen schaun und nicken

Durch des Fensters Seidenhang.

Sie, die Keuschen hinter Gittern,

Die da lernten von den Müttern

Rein zu halten Herz und Leib;

Und die doch mit Pfeilen spielen,

Kindlich mit dem Bogen zielen

Ahnungslosen Zeitvertreib.

Weh, geschossen und getroffen!

Klaffend steht die Wunde offen:

Ach, sie ahnten keinen Harm;

Sie, die nie an Schwerter rührten

Und als einz’ge Waffe führten

Ihren Alabasterarm.

Sie, die Schwachen, Müden, Süßen,

Die das Kettlein an den Füßen,

Allzu schwer das Ringlein drückt;

Deren Auge bei den Lasten

Ihrer seidnen Wimperquasten

Kaum ein stiller Aufschlag glückt.

Aber wenn es einmal blicken

Und empor zur Sonne schicken

Seine heißen Flammen wollt’,

Schwarz verbrennen in der Ferne

Würd’ an diesem Feuersterne

All der Sonne rotes Gold.

„Werde Licht!“ so spricht die Wange,

„Werde Nacht!“ die Lockenschlange

Dieser holdgeliebten Schar.

Ihre weißen Kleider hüllet

Licht der Liebe, Nacht erfüllet,

Leidesnacht ihr dunkles Haar.

O ihr Leuchten meines Lebens,

Ist mein Herz nicht eures Schwebens

Firmamentisch Himmelszelt?

Rollt ihr nicht in ew’gen Gleisen

Und in immer neuen Kreisen

Durch dies Herze, diese Welt?

Ach, ihr zarten, freudereichen,

Traubenschwerem Weine gleichen,

Wie er Zweig und Wurzel trägt!

Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten,

Wie ihr eure doppelt roten

Polster um die Perlen legt!

Zürne, Herze, nicht den Kecken,

Wenn gar ihres Auges Necken

Falsch aus falschem Fenster schaut:

Diese Aepfel, wie sie hangen,

Diese Lilien auf den Wangen

Sind ein süßes Heilekraut.

Sieh den Wuchs gleich einer Palme,

Der gleich windbewegtem Halme

Lieblich seine Hüften wiegt!

Jedes Herze, mußt du wissen,

Kaum gefangen, schon zerrissen

Blutend ihr zu Füßen liegt.

Soll man sie nun schuldig sprechen,

Da sie nur, um sich zu rächen,

Gegen unsre Herzen gehn?

Für die Blumen, die wir Frechen

Täglich von den Beeten brechen,

Die in Wangenblüte stehn?

Auf, zum Richter will ich schreiten:

Seine Schwingen, seine weiten,

Sind der Weisheit Schutz und Hort.

Er, der über Tod und Leben

Richtet, soll die Antwort geben:

Still, er kündet Gottes Wort! – –

– – – –

Was geht noch auf die Sonne,

Was leuchtet sie uns noch?

Der Mädchen Allerschönste

Verdunkelte sie doch.

Magst, Sonne, du erröten

Vor ihrem holden Glanz,

Mag aus den Bahnen treten

Der Sterne lichter Kranz!

Was braucht die süße Taube

Noch eure hohe Welt? –

Sie macht die Myrtenlaube

Sich selbst zum Himmelszelt.

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